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Ausstellungen/Kunst

Ausstellungen/Kunst


The Simple Life

KIM Leuphana Universität Lüneburg und Kunstverein Springhornhof

Das Bewusstsein um die existentielle Notwendigkeit nachhaltigen Handelns angesichts vielfältiger Umweltprobleme und sozio-ökonomischer Krisen ist heute in der westlichen Welt eng verflochten mit der nicht zuletzt auch hedonistischen Sehnsucht nach einem "guten Leben". Durch "intelligente" Konsumation sollen unsere Körper und Psychen vital gehalten und zugleich der Umwelt Sorge getragen werden – ein Anspruch, in dem sich Ethik und Konsum, Ästhetik und Nachhaltigkeit nicht ausschließen. Individuelle Versuche einer politisierten Alltagspraxis und eines am vielschichtigen Begriff der "Nachhaltigkeit" ausgerichteten Lebensstils orientieren sich dabei bewusst oder unbewusst an unterschiedlichsten, medial verbreiteten Angeboten, Erkenntnissen und Überzeugungen. Ein populäres Begehren in diesem Diskurs ist die Rückkehr zum "Einfachen" und "Naturnahen", mit welcher der Denaturalisierung und Überkomplexität unserer Lebenswelt begegnet werden soll. Mit diesem Verlangen gehen Vorstellungen etwa vom Gebrauch wiederverwertbarer Produkte, von Verlangsamung sowie einer generellen Reduktion auf das "Wesentliche" einher, die sich teils von der Sehnsucht nach einer Wiederverzauberung der Welt begleitet finden. Die Ausstellung "The Simple Life" präsentiert Arbeiten, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln den Wunsch nach einer Lebensführung thematisieren, die auf Nachhaltigkeit und Ursprünglichkeit bedacht ist. Zugleich greifen sie deren Widersprüche auf und reflektieren die Rolle "der Kunst" in diesem Diskurs.

Mit dem neuen, für den Ausstellungsort entwickelten Wandgemälde "Let's Go Paleo" (2012) setzt die Künstlerin Angela Bulloch das Konzept ihrer 1992 begonnenen Werkgruppe "Rules Series" fort, einer kontinuierlich wachsenden Sammlung versprachlichter Regeln, Vorschriften und Normen. In dieser Arbeit wird das gastronomische Modell einer als archaisch gelabelten Ernährung thematisiert – die als besonders genussvoll und gesund gepriesene "paläolithische Cuisine" gerät zum Extrembeispiel einer Sehnsucht nach Ursprünglichkeit. Simon Starling ist mit der für die Ausstellung aktualisierten Installation "Carbon (Pedersen)" (2003) vertreten, in der zwei auf einem Entwurf des dänischen Designers Mikael Pedersen aus dem Jahre 1897 basierende Fahrräder mit ihrem besonderen, dreieckigen Stahlrahmen im Zentrum stehen. Während das Fahrrad als Klassiker der Freizeitindustrie, Symbol für eine naturnahe und gesunde Fortbewegung, heute zu einem zur Schau gestellten Lifestyle-Vehikel avanciert, transformiert Starlings Installation zwei der Pedersen-Fahrräder in ein "Survival Kit". Die Arbeit verweist auf das anhaltende Interesse des Künstlers an der Sichtbarmachung permanenter "Re-zyklierbarkeit" von Materialien, Formen und Ideen über Raum und Zeit. In der Video-Arbeit "Whispering Pines 4" (2007) von Shana Moulton mimt die Künstlerin die Glück und Heilung suchende Figur Cynthia, die heutigen New-Age-Praktiken und -Produkten sowie der Suche nach Verschmelzung mit der Natur verfallen ist. Diffuse religiöse Bezüge verschiedenster Provenienz kombinieren sich mit Verweisen auf die kunsthistorische Moderne: Erlösungsversuche durch Einswerden mit der kosmischen Natur treffen auf hypersensible Eitelkeiten. Solche Narzissmen finden sich im Werk der Künstlerin Josephine Meckseper konfrontiert mit Verstrickungen in die Sphären von Politik, Konsum, Kunst und Utopie. Mit spiegelnder Oberfläche offeriert "Shelf No. 37 (2007)" (2007) sorgsam arrangierte, glänzende Objekte. Eine Leinwand, strukturiert durch pudrige Farbtöne, fügt sich nahtlos in die Ästhetik dieser negativen Schaufläche und bietet als Carte Blanche gleichsam eine Fluchtlinie für weiterführende Projektionen, Schrecken und Utopien.

Zudem freuen wir uns, in der Ausstellung die realisierten Entwürfe der Preisträger des Daniel Frese Preis 2012 zu präsentieren, der in diesem Jahr zum Thema "Kunst und Nachhaltigkeit/Nicht-Nachhaltigkeit" ausgelobt war: Niko Wolf, Preisträger in der Kategorie "junge Kunst", befasst sich in seiner Installation "Erdhügelmuseum oder: Die Ökonomie des Vergessens" (2012) mit Maulwurfshügeln auf dem Grundstück des Gesamtkunstwerks "Kunststätte Bossard" in Norddeutschland. Der Künstler hat über mehrere Monate alle auf dem Areal vorfindbaren Hügel dokumentiert und übersetzt die gesammelten Materialien für die Ausstellung in ein entlang musealer Logiken entwickeltes System des Archivierens, Auswählens und Präsentierens. Im Dickicht heutiger künstlerischer Möglichkeiten geht Wolf mit dieser "Earth Art" einen Schritt zurück und nimmt den universalen Urstoff überhaupt zum Ausgangspunkt für Überlegungen zu nachhaltigen Kunstproduktionen. Fabian Reimann zeigt den Raumessay "Das Gedächtnis der Sterne" (2012), der unterschiedliche planetare und auf extraterrestrische Eroberungen bezogene Medienereignisse realer und fiktiver Art zusammenfügt. Die Nachhaltigkeit der Wissensträger menschlicher Kultur, deren Haltbarkeit und Vermittlungsmöglichkeit werden zur Debatte gestellt. Seine Arbeit berührt dabei stets die Frage nach dem technischen Fortschritt, der nicht zuletzt kritisch assoziiert ist mit anthropogenen Veränderungen der Erdatmosphäre und deren politischen Dimensionen. Dabei wird reflektiert, dass technischer Fortschritt unabhängig von diesen, in ihrer ganzen Tragweite noch nicht absehbaren Effekten stets auch als Hoffnungsquelle fungiert.

Kuratorische Kollaboration: Valérie Knoll, Cornelia Kastelan, Bettina von Dziembowski


Weitere Termine

Atelierbesuch bei Niko Wolf in Jesteburg (Harburg)
Sa 17. 11. 2012, 15:00 – 17:00, Treffpunkt Atelier, Adresse wird bekanntgegeben

Präsentationen, Vorträge, Gespräche "Nachhaltig: Kunst / Sustainable: Art"
mit Jeff Derksen (Simon Fraser University Vancouver), Dan Peterman (University of Illinois Chicago), Marjetica Potrč (Hochschule für bildende Künste Hamburg), Diego Castro, Fabian Reimann, Katja Staats, Niko Wolf (Gewinner des Daniel Frese Preis 2011 und 2012)
Mi 05.12.2012, 18:00
Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund, In den Ministergärten 10, D-10117 Berlin

Workshop "Aporias of Art, Ecology, and Sustainable Development"
mit Dan Peterman (University of Illinois Chicago)
Fr 07.12.2012, 14:00
Kunstraum der Leuphana Universität Lüneburg, Campus Halle 25, Scharnhorststraße 1, D – 21335 Lüneburg



Die Ausstellung basiert auf einer Kooperation des Projekts KIM, EU-Großprojekt Innovations-Inkubator, Leuphana Universität Lüneburg mit dem Kunstverein Springhornhof Neuenkirchen. Der Innovations-Inkubator wird von der EU im Rahmen des EFRE, Europäischer Fonds für regionale Entwicklung, sowie vom Land Niedersachsen gefördert.

 

Termine
#1 Beginn: 02.11.2012 Um 14:00
  Ende: 16.01.2012 Um 18:00
Weitere Informationen
Angela Bulloch, Josephine Meckseper, Shana Moulton, Fabian Reimann, Niko Wolf
Veranstalter
Kunstverein Springhornhof e.V.

Tiefe Str. 4 29643 Neuenkirchen
T 05195-933963 F 05195-933962
info@springhornhof.de
http://www.springhornhof.de
Veranstaltungsort
Neuenkirchen



Veranstalterdetails


Springhornhof
Tiefe Straße 4
29643 Neuenkirchen




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